Die ersten warmen Sonnenstrahlen Anfang März tun gut. Nach den dunklen Winterwochen merkt man, wie die Tage wieder länger werden, wie die Menschen häufiger draußen sind und wie langsam wieder mehr Leben in die Natur kommt. Auch hier in Winsen spürt man diesen Übergang deutlich.
Für uns als Bestatter ist der Winter traditionell eine besonders intensive Zeit. Gerade rund um Weihnachten und den Jahreswechsel sowie in den Wochen danach begleiten wir häufig mehr Familien als in vielen anderen Monaten des Jahres. Deshalb hören wir immer wieder die gleiche Frage:
„Stimmt es eigentlich, dass im Winter mehr Menschen sterben als in anderen Jahreszeiten?“
Die kurze Antwort lautet: Ja, tatsächlich ist das so. Statistisch gesehen sterben in den Wintermonaten mehr Menschen als im Sommer.
Ein saisonales Muster
Dieses Phänomen ist nicht nur eine persönliche Beobachtung aus unserem Berufsalltag. Auch statistische Auswertungen zeigen seit vielen Jahren ein klares Muster: In Mitteleuropa liegt die Zahl der Sterbefälle im Winter regelmäßig höher als im Frühling oder Sommer. Besonders die Monate Januar und Februar zählen häufig zu den sterbestärksten Zeiten im Jahr.
Der Unterschied ist dabei durchaus spürbar. In manchen Jahren liegt die Sterblichkeit im Winter mehrere Prozent über dem Jahresdurchschnitt.
Warum ist das so?
Es gibt dafür nicht nur einen einzigen Grund, sondern mehrere Faktoren, die zusammenkommen.
- Erkältungen, Grippe und Atemwegserkrankungen
Im Winter verbreiten sich Viren deutlich leichter. Erkältungen, Influenza oder Lungenentzündungen können besonders für ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen sehr belastend sein.
- Belastung für Herz und Kreislauf
Kälte stellt eine zusätzliche Belastung für den Körper dar. Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Blutdruck steigt – das kann das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle erhöhen.
- Weniger Bewegung und Sonnenlicht
In den dunklen Monaten verbringen viele Menschen mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Bewegung und soziale Kontakte nehmen häufig ab, was sich ebenfalls auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken kann.
- Geschwächtes Immunsystem
Gerade bei älteren Menschen kann der Körper im Winter schneller an seine Grenzen kommen.
Die Wahrnehmung im Alltag
Als Bestatter erleben wir diese statistischen Zusammenhänge ganz praktisch. Nach den Feiertagen – oft ab Januar – nehmen die Anrufe spürbar zu. Für viele Familien fällt eine ohnehin schwere Zeit dann mitten in die dunkle Jahreszeit.
Umso stärker wirkt der Kontrast, wenn im März die Sonne wieder häufiger scheint und der Frühling langsam beginnt. Nicht selten hören wir dann von Angehörigen den Satz:
„Jetzt kommt wieder das Leben zurück.“
Ein sensibler Blick auf Zahlen
Bei aller Statistik bleibt wichtig: Hinter jeder Zahl steht ein Mensch und eine Familie. Für die Angehörigen spielt es keine Rolle, in welcher Jahreszeit ein Abschied stattfindet – der Verlust ist immer individuell und immer bedeutend.
Die Frage nach der Jahreszeit zeigt jedoch auch, dass viele Menschen versuchen, das Sterben besser zu verstehen. Und manchmal hilft ein Blick auf solche Zusammenhänge, das Geschehen ein wenig einzuordnen.
Der Frühling als Zeit des Aufatmens
Mit den ersten sonnigen Tagen Anfang März verändert sich die Stimmung vieler Menschen spürbar. Die Natur beginnt neu, das Leben wird wieder sichtbarer.
Vielleicht erinnert uns dieser Wechsel der Jahreszeiten auch daran, wie eng Leben, Abschied und Neubeginn miteinander verbunden sind.
Und genau darin liegt etwas Tröstliches:
Nach jedem Winter kommt wieder ein Frühling.